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Category Archives: diskussion

Nach langer Blog-Abstinenz melde ich mich mit ein paar Informationen zur Buchmesse zurück in der Biblioblogosphäre. Leider kann ich bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse urlaubsbedingt nicht dabei sein – was ich angesichts der folgenden zwei Veranstaltungen etwas bedauere:

Nach der im letzten Jahr gestarteten Diskussionsreihe auf dem „B.I.T.-Sofa“ (siehe ältere Beiträge dazu hier) veranstalten auch in diesem Jahr B.I.T.online und Fachbuchjournal eine Diskussionsreihe auf dem Sofa unter dem Titel: „Bibliothek 2020 – Zwischen Vergangenheit und Zukunft„:

Bibliothek 2020

Die Diskussionen finden von Mittwoch bis Freitag, jeweils von 11-13 Uhr, im Foyer der Halle 4.2 statt. Die Themen:

  • Bibliothek 2020 – Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Bibliotheken sind nicht tot, aber…
  • Der elektronische Lesesaal – Vision oder Wirklichkeit?
  • Bibliothek und Bildung – Aufgaben und Herausforderung für die Zukunft

Logo Zukunftswerkstatt

Dann wird auch die Zukunftswerkstatt nach ihrem Erfolg auf dem Bibliothekartag erstmalig auf der Buchmesse vertreten sein und veranstaltet am Mittwoch von 17-18 Uhr eine Podiumsdiskussion:

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Welche Auswirkungen wird die „Generation Internet“ auf Bibliotheken und deren Arbeit haben? Welche Erwartungen haben die „Digital natives“, deren Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten so neu und anders ist, an Bibliotheken und Bibliothekare? Haben sie überhaupt noch Erwartungen an Bibliotheken oder sind diese in ihren Augen nur noch nutzlose „Büchersilos“, weil es doch Google und Wikipedia gibt, wo man „alles“ findet (und wenn man etwas nicht in Google, Wikipedia & Co. findet, dann gibt’s dazu halt auch nichts zu finden)?

Das Buch „Born digital“ (auf deutsch „Generation Internet“) von John Palfrey und Urs Gasser beschreibt sehr ausführlich und auch eindrücklich, was an den „Digital natives“ so anders ist und wie Eltern, Lehrer aber auch Bibliothekare diese veränderten Verhaltensweisen verstehen und ihren Beitrag zu einer positiven Entwicklung leisten können.

born digital

In zwölf Kapiteln werden verschiedene Ausprägungen der Generation Internet beschrieben, Vor- und Nachteile aufgezeigt sowie Hinweise zum Umgang damit gegeben. Obwohl in den ersten Kapiteln hauptsächlich Eltern, Lehrer, Gesetzgeber und Software-Firmen angesprochen werden und es erst in den letzten Kapiteln explizit auch um die Arbeit von Bibliotheken und Bibliothekaren geht, so kann man aus jedem Kapitel einige interessante Fragestellungen, Ideen, Anregungen, Probleme, … für die bibliothekarische Arbeit entnehmen.

Genau dies habe ich mir für die nächsten Wochen vorgenommen und werde daher nach und nach zu jedem Kapitel eine kurze Zusammenfassung mit der nach m.E. für uns wichtigen Themen schreiben. Wer das Buch schon gelesen hat, kann sich über die Kommentarfunktion gerne zu den einzelnen Beiträgen äußern und sie so ergänzen. All denen, die das Buch noch nicht gelesen haben, kann ich die Lektüre nur empfehlen.

  1. Einleitung, Identitäten
  2. Dossiers
  3. Privatsphäre
  4. Sicherheit,
  5. Kreativität
  6. Piraterie
  7. Qualität
  8. Overload
  9. Aggression
  10. Innovationen
  11. Lernen
  12. Aktivismus, Zusammenfassung
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Mittlerweile gibt es auf der Seite von B.I.T. online auch eine kleine Bildergalerie von allen Diskussionsrunden auf dem B.I.T.-Sofa rund um die Fragestellung „Sind herkömmliche Bibliotheken tot?“.

Weitere Teilnehmer waren u.a. Frau Dr. Niggemann, Herr Dr. Wilpert, Herr Lenz, Herr Dr. Weisel, Frau Prof. Dr. Beger und Frau Schleihagen.

Ein ausführlicher Beitrag wird dann, laut Auskunft auf der Homepage, in der nächsten Ausgabe von B.I.T. online zu finden sein.

EDIT: Heute (24.10.2008) erschien im LISNews-Blog ein Beitrag, der genau diese Frage aufgreift – und zu einem etwas radikaleren Ergebnis kommt: „A future without libraries? A radical new idea“

Der Moderator unserer Diskussionsrunde am Mittwoch (Mirko Smiljanic) kam vom WDR5 und hat einige der Diskussionsteilnehmer anschließend noch interviewt. Heute war die Sendung um 16:05 zu hören (um 22:05 läuft sie übrigens ein zweites Mal) – und tatsächlich sind Tom Becker und ich unter dem Punkt „Die Bibliothek der Zukunft“ auch zu Wort gekommen!

Bisher konnte ich leider nur das Manuskript zur Sendung einsehen, da ich um 16:05 noch in der Bibliothek war und die Sendung um 22:05 mit Sicherheit verpassen werde.

Aber ab morgen ist der Beitrag dann unter der Rubrik „Nachhören“ als Podcast zum Downloaden zu haben.

Über was wird in der Sendung gesprochen?

  • Bibliotheken haben kein Monopol mehr auf Wissen und Information. Deshalb muss die Bibliothek der Zukunft Google, Wikipedia und Co. in ihr Angebot einbinden.
  • Datenbanken und e-Medien werden eine immer stärkere Rolle spielen und vielleicht sogar im Mittelpunkt stehen. Bibliotheken müssen hier neben Lesekompetenz auch Medien- und Informationskompetenz vermitteln, damit Nutzer fit sind, das Wissen, das ihnen ihre Bibliothek bietet, auch ausschöpfen zu können. Ein Beispiel dafür ist das Programm „Fit für die Facharbeit“ der Münchner Stadtbibliothek.
  • Bibliotheken vermitteln schon immer Bildung und Wissen, müssen dies künftig aber noch aktiver und v.a. in Kooperation mit den anderen Bildungseinrichtungen vor Ort (z.B. Schulen, Unis und VHS) betreiben. Zusammenarbeit und Bündelung von Kompetenzen sind die Stichwörter.
  • Bibliotheken können im physischen Gebäude verstärkt zu kommunikativen Orten der Begegnung werden. Elektronische Lesesäle auf der einen Seite – die auf der anderen Seite von Studenten im Gruppenraum der Bibliothek, der mit WLAN ausgestattet ist, genutzt werden.
  • „Richtige Bücher aus Papier werden übrigens auch in der Bibliothek der Zukunft ausgeliehen, komplett verschwinden sie in absehbarer Zeit auf keinen Fall“ (O-Ton Sprecher). Richtig! Denn „es ist einfach nicht dasselbe, ein Bilderbuch sich am Bildschirm anzuschauen mit seinem Kind oder auf dem Sofa zu sitzen und aus einem Buch vorzulesen“ (mein O-Ton; eigentlich wollte ich ja sagen „oder am Strand in einem Roman zu schmökern, wo ich den Kindle nicht gebrauchen kann, da er nachher voller Sand ist und dann kaputt geht“ ;-)).

Auf dem BIT-Sofa wurde während der Buchmesse über die Frage diskutiert, ob herkömmliche Bibliotheken tot seien.

Ich durfte an zwei der insgesamt sechs Diskussionsrunden teilnehmen und möchte abschließend ein paar Statements bzw. meine Eindrücke dazu wiedergeben. Da ich mich leider nicht mehr genau daran erinnere, wer von den Diskutierenden was gesagt hat, geht es hier nicht um eine (wort-)getreue Wiedergabe der Diskussion sondern vielmehr um eine Zusammenfassung dessen, was bei mir haften geblieben ist. (Zur Diskussion um die Zukunft der Bibliothek verweise ich auch auf das BuB-Heft 1/08, da dieses Thema dort ein Schwerpunktthema war und viele interessante Beiträge aus unterschiedlichsten Richtungen enthält.)

  • Sind herkömmliche Bibliotheken tot?
    • Nein, herkömmliche Bibliotheken sind nicht tot und werden auch so schnell nicht sterben. Genauso, wie Bücher noch längst nicht tot oder überholt sind und sicherlich noch einige Jahrzehnte (wenn nicht sogar noch länger) existieren werden.
  • Haben Bibliotheken eine Überlebenschance?
    • Bibliotheken haben eine Überlebenschance. Aber sie müssen sich fragen, ob sie in Zukunft nur „Büchersilos“ sein möchten, oder sich auch der digitalen Welt (noch stärker) öffnen, um dauerhaft überlebensfähig sein zu können.
  • Wie sieht die Bibliothek der Zukunft aus? Wie sieht in Zukunft die Aufgabe von Bibliotheken aus?
    • Die Zukunft der Bibliothek sollte zweigleisig aussehen, d.h. es gibt sowohl ein physisches Gebäude mit unterschiedlichstem Medienangebot als Kommunikations-, Bildungs- und Lernort als auch ein virtuelles Angebot.
    • Das virtuelle Angebot sollte viel mehr als „nur“ eine Homepage + Zugang zum Online-Katalog umfassen. Hier fiel des öfteren das Stichwort „Web 2.0“, also Blogs, Wikis, Chat, Online-Kataloge mit starken Such- sowie vielfältigen Personalisierungsmöglichkeiten (und auch Tagging durch Nutzer als Ergänzung zur Schlagwortvergabe).
    • Das virtuelle Angebot sollte unbedingt e-Medien enthalten! Eine Möglichkeit, diese Medienform bereits jetzt ins Angebot zu integrieren, bietet sich Bibliotheken zur Zeit z.B. durch das Angebot der Onleihe von DiViBib. Sicher ist dieser Bereich erst im Entstehen und es gibt ungeklärte Fragen (z.B. bezüglich des DRM), aber Bibliotheken müssen früher oder später auch in diese „Nische“ einsteigen, um überlebensfähig zu bleiben.
    • Die Aufgaben von Bibliotheken müssen sich – in Zeiten schrumpfender Etats – in Zukunft noch stärker den Nutzerbedürfnissen anpassen. Die Zielgruppen sollten noch stärker die Ausrichtung der Aufgaben entweder in Form von physischen oder aber in Form von virtuellen Angeboten bestimmen.
    • Eine wichtige Aufgabe, gerade auch mit dem Zunehmen der Informationsflut, wird ganz besonders im Bereich der Vermittlung von Informationskompetenz liegen. Aber auch das Vermitteln des Umgangs mit dem Computer, dem Internet und nicht zuletzt dem Web 2.0 kann (und sollte) Aufgabe von Bibliotheken sein (an dieser Stelle will ich schon mal auf das Knowledge Navigation Center der University of Michigan hinweisen, zu dem ich sicher auch noch mal was schreiben werde).
    • Auch eine Aufgabe für Bibliothekare: die Beschäftigung mit dem (und die Überbrückung des) „Digital Divide“ (auch bezeichnet als „Participation Gap“). Ganz praktisch geschieht das in vielen Bibliotheken bereits heute schon dadurch, dass Internet-PCs kostenlos für jedermann zur Verfügung gestellt werden, so dass z.B. auch Obdach- oder Arbeitslose Zugang z.B. zu einem E-Mail-Account haben.
  • Wie wollen Bibliotheken ihren Aufgaben weiter gerecht werden?
    • Bibliotheken dürfen sich der digitalen Welt nicht verschließen, um dann irgendwann den Anschluss ganz zu verlieren.
    • Stärkere Vernetzung mit anderen Bildungseinrichtungen sowie verstärkte Kooperation von Bibliotheken untereinander ist gefragt.
    • Bibliotheksgesetze sowie Lobbyarbeit können helfen, Bibliotheken auf die politische Tagesordnung zu bringen bzw. sie dort zu verankern.
    • Bibliotheken müssen durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit die Nutzer auf ihre Services (v.a. auch auf die digitalen) aufmerksam und damit deutlich machen, dass sie im digitalen Leben ihrer Nutzer eine Rolle spielen (können).
  • Wie können Bibliotheken die derzeitigen Chancen nutzen, um sich in Zukunft zu positionieren?
    • Web 2.0 kann auch hier ein Stichwort sein. Web 2.0 bietet vielfältige Tools, um sich in der digitalen Welt recht einfach und teilweise auch kostengünstig (zumindest was Software-Kosten anbelangt) zu positionieren.
    • Bibliotheken dürfen die Entwicklung von e-Medien nicht an sich vorbeiziehen lassen, sondern sollten schon jetzt auf den Zug aufspringen, um gut positioniert zu sein.
    • Natürlich ist nicht jeder Hype für jede Bibliothek das richtige Mittel. Aber Bibliothekare sollten etwas offener fürs Experimentieren und Spielen sein, um dadurch schnell und unkompliziert herauszufinden, ob eine neue Technologie auch für die Anwendung in der Bibliothek geeignet sein könnte.
    • Ein Blick in die USA, nach Großbritannien, aber auch in den nahen Osten kann helfen, die sich bietenden Chancen noch schneller zu erkennen, und so nicht 3 bis 5 Jahre „hinterher zu hinken“.
  • Bibliotheken oder Google als Informationsquelle? Gegen- oder Miteinander?
    • Ganz klar, unisono von allen Seiten: Miteinander. Goolge (oder auch Wikipedia) ist nicht unser Feind! Wir sollten uns ernsthaft überlegen, in welcher Form wir mit Google oder auch Wikipedia kooperieren können. Ein Beispiel sind die Digitalisierungsprojekte von HathiTrust (siehe mein Blogpost vom 13.10.08) oder auch der Bayerischen Staatsbibliothek. Und Herr Schindler als Vertreter von Wikimedia hat während der Diskussion ganz deutlich gemacht, dass sie offen sind für Kooperationen mit Bibliotheken und sich darüber sogar freuen würden!
  • Ist der Bibliothekar 2.0 der Guru des Informationszeitalters?
    • In gewisser Weise schon. Die Beschäftigung mit Web 2.0 bzw. Bibliothek 2.0 sollte für Bibliothekare keine „große Unbekannt“, ein Ärgernis oder etwas Angstmachendes sein. Vielmehr sollte dies als Chance gesehen werden, mit den Neuerungen des Informationszeitalters up-to-date zu bleiben und die Gewohnheiten der „Digital Natives“ nachvollziehen zu können.
    • Manchmal finde ich die Bezeichnung „Bibliothekar 2.0“ etwas befremdlich und würde daher selbst vielleicht eher von „next generation librarians“ sprechen. Aber auch dies ist nur eingeschränkt richtig, da nicht nur die „jungen Wilden“ dieser Generation zuzuordnen sind, sondern es auch viele „alte (wilde)“ Bibliothekare gibt, die sich längst auf Web 2.0 eingestellt haben.

Soweit meine Zusammenfassung. Ich bin froh, dass ich an den Diskussionsrunden teilnehmen konnte. Es hat viel Spaß gemacht, neue Kontakte beschert – und hat mir außerdem wieder eine ganz neue Motivation für meine Arbeit gegeben. (Immerhin habe ich als „Bibliothekarin 2.0“ die Chance, die Zukunft der Bibliotheken mitzugestalten und so ihr Überleben zu sichern. Spannende und herausfordernde Zeiten also für Bibliothekare!)

Es kann gut sein, dass mir im Laufe der nächsten Tage noch ein paar Punkte einfallen, die ich hier ganz vergessen habe. Denn das Thema der Zukunft von Bibliotheken umfasst natürlich noch weit mehr Diskussionspunkte, Fragestellungen und auch Thesen als die hier angesprochenen.

Daher: Wer Ergänzungen zu dieser Zusammenfassung, Fragen, Anregungen oder Anmerkungen hat, ist herzlich dazu eingeladen, die Kommentar-Funktion zu nutzen und so vielleicht die Diskussion in der virtuellen Welt noch etwas aufrecht zu erhalten!