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„Why Google must die“ heißt der Beitrag von John Dvorak, der letzte Woche im PC Magazine erschienen ist. Er wäre mir gar nicht weiter aufgefallen, wenn er nicht in den letzten Tagen vermehrt in der Biblioblogosphäre erwähnt worden wäre.

Dvorak schreibt:

„Once you learn how Google handles SEO, you see that getting the right results takes a miracle [SEO = Suchmaschinenoptimierung, A.d.V.]. […] From a user’s perspective, once you learn how Google does what it does, it’s a miracle that you ever get the right results.“

und beschreibt vier Probleme, die sich bei der Google-Suche zeigen:

  1. Inability to identify a home site
  2. Too much commerce, not enough information
  3. Parked sites
  4. Unrepeatable search results

„We have to suffer until something better comes along, but there is at least one crucial fix that could be easily implemented: user flagging.“

Als weitere mögliche Alternative zu Google schlägt er vor: „rethinking the basic organization of the Web itself, using the Google News concept. In other words, compartmentalize the Web to an extreme. Tagging might help.“

Ich glaube, das alles ist an sich nichts Neues. Viel interessanter finde ich daher, was Stephen Abram zum Artikel schreibt und was auf bibliothekarisch.de dazu zu lesen ist:

Abram schreibt:

„Too many library folks say they they want all of our OPACs, federated search, and web site search engines to work „just like Google“.“

Er gibt jedoch einige Punkte zu bedenken:

  1. Should I start manipulating the search results of library users based on the needs of advertisers who pay for position?
  2. Should I track your users’ searches and offer different search results or ads based on their private searches?
  3. Should I open library OPACs and searches to ’search engine optimization’ (SEO) techniques that allow special interest groups, commercial interests, politicians (as we’ve certainly seen with the geotagged searches in the US election this year), racist organizations (as in the classsic MLK example), or whatever to change results?
  4. Should I geotag all searches, using Google Maps, coming from colleges, universities or high schools because I can ultimately charge more for clicks coming from younger searchers? Should I build services like Google Scholar to attract young ad viewers and train or accredit librarians and educators in the use of same?
  5. Should I allow the algoritim to override the end-user’s Boolean search if it meets an advertiser’s goal?
  6. “Evil,” says Google CEO Eric Schmidt, “is what Sergey says is evil.” (Wired). Is that who you want making your personal and institutional values decisions?

Google ist eben Profit-orientiert und seine „primary customer is not library end users (or searchers at all)“. Was aber empfiehlt Abram nun Bibliotheken?

„Now libraries should be asking what creates a good saerch result that meets th end users needs – the big question research where the questions begin with ‚why‘ and ‚how‘ – not the simple who, what where, when Google searches. .Can they be as simple as Google? Should they be as simple as Google? Might thought, talent and learning be involved versus simple information transactions?

Libraries should be creating the third way – the one that doesn’t serve the needs of advertisers, politicians, special interest groups, etc. – the one that lifts people up in learning environments and communities.

And they should be training users to be aware of the algorithms behind Google and all the search engines. And they should find their voice to talk to their host institutions and communities about their role.“

Und auch Dörte Böhner fasst auf bibliothekarisch.de schön zusammen:

„Google zu verteufeln bringt nichts. Ziel muss es sein, Google als ein Suchinstrument von vieles in eine strukturierte Recherche zu integrieren. Dafür müssen die Studenten aber die Algorithmen hinter Google und anderen Suchmaschinen verstehen. Oft fehlt eine gute Unterscheidung zwischen den einzelnen Suchinstrumenten, ihren Vor- und Nachteilen.

Google muss nicht sterben. Es hat mit all seinen Mankos eine berechtigte Position zwischen all den anderen Möglichkeiten (OPAC, Datenbank, Katalog, etc.). Bibliotheken haben sich das Vermitteln von Informationskompetenz auf die neuen Fahnen geschrieben. Das bedeutet aber auch, dass sie selbst mit kritischen, aber auch offenem Blick die Suchschwächen und -stärken der einzelnen Recherchmöglichkeiten beurteilen können müssen.“

Dem habe ich nur noch folgendes hinzuzufügen:

Natürlich: Google ist Profit-orientiert und über die Qualität der Sucherergebnisse bzw. die zugrundeliegenden Ranking-Kriterien kann man sich zurecht streiten.

Aber: Ich verwende Google eigentlich immer als Einstiegspunkt für meine Recherchen. (Und dies tun neben mir auch die meisten anderen Internetnutzer, wie u.a. in den OCLC-Reports von 2005 [Perceptions of Libraries and Information Resources] und 2007 [Sharing, Privacy and Trust in Our Networked World] nachzulesen ist).

Was ich an Google mag, ist zunächst die schlichte und übersichtliche Einstiegsseite: eine Suchzeile, in die ich direkt meine Anfrage (wie auch immer die aussehen mag) tippen kann, ohne mir vorher noch zu überlegen, welche Wörter ich in welche Felder eintragen muss (wie es bei vielen vermeintlich „einfachen“ Suchen in Bibliothekskatalogen der Fall ist). Und ich kriege immer einen Treffer, werde auf mögliche Rechtschreibfehler aufmerksam gemacht und erhalte einen Hinweis auf verwandte Suchvorgänge.

Das sind die Funktionalitäten von Google, die ich mir für Kataloge wünschte und die mich (trotz aller gerechtfertigten Diskussionen um Google) sagen lassen, dass Kataloge künftig in so einigen Punkten „just like Google“ werden müssen. Dass jedoch für eine Suche in Bibliothekskatalogen andere Ranking-Kriterien und -Algorithmen gelten müssen und dass Google sich insgesamt ganz anders ausrichtet als Bibliotheken (nämlich kommerziell), ich glaube, darüber braucht man sich nicht streiten.

Im Umgang mit Google selbst sollten wir bei der Vermittlung von Informations- und Recherchekompetenzen an unsere Nutzer darauf achten, Google nur als ein Suchinstrument von vielen zu behandeln, Funktionsweise, Vor- und Nachteile, Schwächen und Stärken zu verdeutlichen und Alternativen aufzuzeigen (siehe auch oben die Zitate von bibliothekarisch.de).

Und ansonsten hoffe ich, dass Google sich weiterentwickelt und weiter verbessert wird – oder sich auch ganz neue Wege des Suchens im weltweiten Netz auftun.

2 Comments

    • bibliothekarisch
    • Posted 25. November 2008 at 20:45
    • Permalink

    Einen interessanten Ansatz, aus Bibliothekskatalogen eine „google like“-Suchmaschine zu gestalten ist die in Kooperation von KOBV und der Pilotbibliothek Wissenschaftspark Albert Einstein (WAE) in Potsdam entwickelte Library Search Engine „ALBERT“.

    Es handelt sich um eine Web-Applikation für Bibliotheksangebote auf der Basis von Lucene. Das neue Tool, im Einsatz für den WAE „ALBERT“ genannt, ersetzt die Suche in den Bibliothekskatalogen des WAE und erschließt über die eigenen Bibliotheksbestände (Bücher, Zeitschriften) hinaus weitere Suchräume – u.a. neueste Inhaltsverzeichnisse, Open Acces-Publikationen und fachspezifische Bibliographien.

    Artikel zur Library Search Engine des KOBV

    • fabilouslibrarian
    • Posted 25. November 2008 at 21:26
    • Permalink

    danke für den hinweis! ich hatte während des studiums schon mal von ALBERT gehört, mir das ganze jedoch bisher noch nicht angeschaut.
    und auch das beluga-projekt (http://beluga.sub.uni-hamburg.de/) gehört für mich zu dieser art von ansätzen, bei denen das „google like“ in die richtige richtung geht.


One Trackback/Pingback

  1. […] langen Post zu Google veröffentlicht. Und auch Fabienne von the fabilous librarian hat in ihrem Post weitere Punkte hinzugefügt. Sie schreibt: Was ich an Google mag, ist zunächst die […]

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