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Auf dem BIT-Sofa wurde während der Buchmesse über die Frage diskutiert, ob herkömmliche Bibliotheken tot seien.

Ich durfte an zwei der insgesamt sechs Diskussionsrunden teilnehmen und möchte abschließend ein paar Statements bzw. meine Eindrücke dazu wiedergeben. Da ich mich leider nicht mehr genau daran erinnere, wer von den Diskutierenden was gesagt hat, geht es hier nicht um eine (wort-)getreue Wiedergabe der Diskussion sondern vielmehr um eine Zusammenfassung dessen, was bei mir haften geblieben ist. (Zur Diskussion um die Zukunft der Bibliothek verweise ich auch auf das BuB-Heft 1/08, da dieses Thema dort ein Schwerpunktthema war und viele interessante Beiträge aus unterschiedlichsten Richtungen enthält.)

  • Sind herkömmliche Bibliotheken tot?
    • Nein, herkömmliche Bibliotheken sind nicht tot und werden auch so schnell nicht sterben. Genauso, wie Bücher noch längst nicht tot oder überholt sind und sicherlich noch einige Jahrzehnte (wenn nicht sogar noch länger) existieren werden.
  • Haben Bibliotheken eine Überlebenschance?
    • Bibliotheken haben eine Überlebenschance. Aber sie müssen sich fragen, ob sie in Zukunft nur „Büchersilos“ sein möchten, oder sich auch der digitalen Welt (noch stärker) öffnen, um dauerhaft überlebensfähig sein zu können.
  • Wie sieht die Bibliothek der Zukunft aus? Wie sieht in Zukunft die Aufgabe von Bibliotheken aus?
    • Die Zukunft der Bibliothek sollte zweigleisig aussehen, d.h. es gibt sowohl ein physisches Gebäude mit unterschiedlichstem Medienangebot als Kommunikations-, Bildungs- und Lernort als auch ein virtuelles Angebot.
    • Das virtuelle Angebot sollte viel mehr als „nur“ eine Homepage + Zugang zum Online-Katalog umfassen. Hier fiel des öfteren das Stichwort „Web 2.0“, also Blogs, Wikis, Chat, Online-Kataloge mit starken Such- sowie vielfältigen Personalisierungsmöglichkeiten (und auch Tagging durch Nutzer als Ergänzung zur Schlagwortvergabe).
    • Das virtuelle Angebot sollte unbedingt e-Medien enthalten! Eine Möglichkeit, diese Medienform bereits jetzt ins Angebot zu integrieren, bietet sich Bibliotheken zur Zeit z.B. durch das Angebot der Onleihe von DiViBib. Sicher ist dieser Bereich erst im Entstehen und es gibt ungeklärte Fragen (z.B. bezüglich des DRM), aber Bibliotheken müssen früher oder später auch in diese „Nische“ einsteigen, um überlebensfähig zu bleiben.
    • Die Aufgaben von Bibliotheken müssen sich – in Zeiten schrumpfender Etats – in Zukunft noch stärker den Nutzerbedürfnissen anpassen. Die Zielgruppen sollten noch stärker die Ausrichtung der Aufgaben entweder in Form von physischen oder aber in Form von virtuellen Angeboten bestimmen.
    • Eine wichtige Aufgabe, gerade auch mit dem Zunehmen der Informationsflut, wird ganz besonders im Bereich der Vermittlung von Informationskompetenz liegen. Aber auch das Vermitteln des Umgangs mit dem Computer, dem Internet und nicht zuletzt dem Web 2.0 kann (und sollte) Aufgabe von Bibliotheken sein (an dieser Stelle will ich schon mal auf das Knowledge Navigation Center der University of Michigan hinweisen, zu dem ich sicher auch noch mal was schreiben werde).
    • Auch eine Aufgabe für Bibliothekare: die Beschäftigung mit dem (und die Überbrückung des) „Digital Divide“ (auch bezeichnet als „Participation Gap“). Ganz praktisch geschieht das in vielen Bibliotheken bereits heute schon dadurch, dass Internet-PCs kostenlos für jedermann zur Verfügung gestellt werden, so dass z.B. auch Obdach- oder Arbeitslose Zugang z.B. zu einem E-Mail-Account haben.
  • Wie wollen Bibliotheken ihren Aufgaben weiter gerecht werden?
    • Bibliotheken dürfen sich der digitalen Welt nicht verschließen, um dann irgendwann den Anschluss ganz zu verlieren.
    • Stärkere Vernetzung mit anderen Bildungseinrichtungen sowie verstärkte Kooperation von Bibliotheken untereinander ist gefragt.
    • Bibliotheksgesetze sowie Lobbyarbeit können helfen, Bibliotheken auf die politische Tagesordnung zu bringen bzw. sie dort zu verankern.
    • Bibliotheken müssen durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit die Nutzer auf ihre Services (v.a. auch auf die digitalen) aufmerksam und damit deutlich machen, dass sie im digitalen Leben ihrer Nutzer eine Rolle spielen (können).
  • Wie können Bibliotheken die derzeitigen Chancen nutzen, um sich in Zukunft zu positionieren?
    • Web 2.0 kann auch hier ein Stichwort sein. Web 2.0 bietet vielfältige Tools, um sich in der digitalen Welt recht einfach und teilweise auch kostengünstig (zumindest was Software-Kosten anbelangt) zu positionieren.
    • Bibliotheken dürfen die Entwicklung von e-Medien nicht an sich vorbeiziehen lassen, sondern sollten schon jetzt auf den Zug aufspringen, um gut positioniert zu sein.
    • Natürlich ist nicht jeder Hype für jede Bibliothek das richtige Mittel. Aber Bibliothekare sollten etwas offener fürs Experimentieren und Spielen sein, um dadurch schnell und unkompliziert herauszufinden, ob eine neue Technologie auch für die Anwendung in der Bibliothek geeignet sein könnte.
    • Ein Blick in die USA, nach Großbritannien, aber auch in den nahen Osten kann helfen, die sich bietenden Chancen noch schneller zu erkennen, und so nicht 3 bis 5 Jahre „hinterher zu hinken“.
  • Bibliotheken oder Google als Informationsquelle? Gegen- oder Miteinander?
    • Ganz klar, unisono von allen Seiten: Miteinander. Goolge (oder auch Wikipedia) ist nicht unser Feind! Wir sollten uns ernsthaft überlegen, in welcher Form wir mit Google oder auch Wikipedia kooperieren können. Ein Beispiel sind die Digitalisierungsprojekte von HathiTrust (siehe mein Blogpost vom 13.10.08) oder auch der Bayerischen Staatsbibliothek. Und Herr Schindler als Vertreter von Wikimedia hat während der Diskussion ganz deutlich gemacht, dass sie offen sind für Kooperationen mit Bibliotheken und sich darüber sogar freuen würden!
  • Ist der Bibliothekar 2.0 der Guru des Informationszeitalters?
    • In gewisser Weise schon. Die Beschäftigung mit Web 2.0 bzw. Bibliothek 2.0 sollte für Bibliothekare keine „große Unbekannt“, ein Ärgernis oder etwas Angstmachendes sein. Vielmehr sollte dies als Chance gesehen werden, mit den Neuerungen des Informationszeitalters up-to-date zu bleiben und die Gewohnheiten der „Digital Natives“ nachvollziehen zu können.
    • Manchmal finde ich die Bezeichnung „Bibliothekar 2.0“ etwas befremdlich und würde daher selbst vielleicht eher von „next generation librarians“ sprechen. Aber auch dies ist nur eingeschränkt richtig, da nicht nur die „jungen Wilden“ dieser Generation zuzuordnen sind, sondern es auch viele „alte (wilde)“ Bibliothekare gibt, die sich längst auf Web 2.0 eingestellt haben.

Soweit meine Zusammenfassung. Ich bin froh, dass ich an den Diskussionsrunden teilnehmen konnte. Es hat viel Spaß gemacht, neue Kontakte beschert – und hat mir außerdem wieder eine ganz neue Motivation für meine Arbeit gegeben. (Immerhin habe ich als „Bibliothekarin 2.0“ die Chance, die Zukunft der Bibliotheken mitzugestalten und so ihr Überleben zu sichern. Spannende und herausfordernde Zeiten also für Bibliothekare!)

Es kann gut sein, dass mir im Laufe der nächsten Tage noch ein paar Punkte einfallen, die ich hier ganz vergessen habe. Denn das Thema der Zukunft von Bibliotheken umfasst natürlich noch weit mehr Diskussionspunkte, Fragestellungen und auch Thesen als die hier angesprochenen.

Daher: Wer Ergänzungen zu dieser Zusammenfassung, Fragen, Anregungen oder Anmerkungen hat, ist herzlich dazu eingeladen, die Kommentar-Funktion zu nutzen und so vielleicht die Diskussion in der virtuellen Welt noch etwas aufrecht zu erhalten!

2 Comments

  1. Hallo Fabienne,
    ich arbeite in einer Fachhochschulbibliotheek und alle von dit genannten Themen erkenne ich und da sind wir hier auch mit beschaeftigt. Wir haben den Kurs Web2.0 23 Dinge durchlaufen:
    http://plcmcl2-things.blogspot.com/#23
    und fangen jetzt an einzelne Dinge an zu wenden auf unserer Site und unseren Blogs.

  2. hallo karin,
    da seid ihr auf dem richtigen weg🙂


One Trackback/Pingback

  1. By links for 2008-10-18 « Nur mein Standpunkt on 18 Okt 2008 at 2:01 pm

    […] Sind herkömmliche Bibliotheken tot? oder: Die Zukunft der Bibliothek (als Informationsquelle) « th… Bibliotheken dürfen sich der digitalen Welt nicht verschließen, um dann irgendwann den Anschluss ganz zu verlieren. – Klingt nach einem Statement der "Jungen Wilden" der Bib-Szene? Fiel aber bei einer BIT-Diskussion in Frankfurt… (tags: nebib) […]

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