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nancy pearl hat gestern vormittags zunächst die zentralbibliothek der stadtbücherei frankfurt besucht, so dass ich dort schon gelegenheit hatte, etwas über ihre arbeit zu erfahren.

noch interessanter war es aber, ihr beim anschließendem webchat, der im publikumsbereich der zentralbibliothek stattfand, über die schulter zu schauen.

der link zum transcript ist in meinem gestrigen blog post zu finden. allerdings muss man sich zunächst noch registrieren, um zu dem transcript zu gelangen.

hier sind in auswahl einige fragen + antworten, die ich persönlich am interessantesten fand:

 Toucan: In my work as an information resource officer (aka librarian) for the U. S. Bureau of International Information Programs, I visit with readers and librarians in countries like Angola and DR Congo where reading for pleasure is a lost art. I invoke your work in inspiring One City, One Book as a main theme of my talks. Can you share how you promote reading when you speak to audiences where daily survival is the challenge that takes 99% of the day’s energy? Nancy Pearl: I guess I would hope that the 1% not expended in survival might be enhanced by reading books that will give them pleasure and help them escape from the world in which they live. 

nancys antwort hat mir wirklich sehr gut gefallen. ich kann mir kaum vorstellen, unter welchen bedingungen unsere kollegen z.b. in afrika ihre arbeit betreiben. ich hoffe aber, dass sie selbst die energie haben, dieses eine prozent anzusprechen.

 IRC ANTANANARIVO2: To Nancy, I Héfler: By the time of digitalization what might be the future of print materials and library? This digitalization seems to threaten the jobs of librarians and books what do you think about that? Thanks.Nancy Pearl: I don’t think we will see the end of books as we know them within the next century at least. I think librarians will need to focus on different aspects of library work – perhaps doing much more readers advisory work; using the library as a place to promote book discussion and discussion about current events, history, etc. 

hier kann ich mich nancy nur anschließen: internet und digitalisierung werden m.e. nach noch für lange zeit nicht das ende von büchern und bibliotheken bedeuten.

man kann als bibliothek ja zum einen internet und digitalisierung für seine zwecke nutzen – und zum anderen, wie nancy schreibt, andere aspekte bibliothekarischer arbeit mehr in den vordergrund rücken und damit deutlich machen, dass trotz internet und digitalisierung bibliotheken eine arbeit leisten, die durch neue technologien (noch) nicht zu ersetzen (höchstens zu ergänzen) ist.

 iroaj: Nancy,
How can you promote of love of reading in a society with no current „reading culture“ and with few resources? Any ideas?
iroaj
Nancy Pearl: The best way is to introduce potential readers to the glory and power of books is to begin with a book ín which they can find themseves, and go on from there. I think it’s important that readers be able to find themselves in books on the library shelves. It’s a slow process, one book at a time and one person at a time. But well worth it. 

und um lesern ein buch empfehlen zu können, in dem sie sich selbst wiederfinden, fand ich nancys “4 doorways”-approach sehr hilfreich, auf den sie abends näher einging:

die vier doorways, über die leser zugang zu einem buch finden, sind story, character, setting, language. die reihenfolge zeigt bereits die häufigkeit an, in der ein doorway benutzt wird: die meisten leser finden über die story zugang zu einem buch, danach ist character der nächste einstiegsweg usw.

durch gezieltes nachfragen kann man herausfinden, welchen doorway ein leser meistens benutzt: liest er gerne page-turner mit einer spannenden geschichte – dann ist für ihn die story am wichtigsten; erzählt er von den ausgefeilten charakteren des buches, dessen schicksal ihn unheimlich berührt hat – dann ist er ein „character“-typ; usw.

natürlich muss man auch bedenken, dass ein leser nicht zwingend auf ein doorway fixiert sein muss. und selbst, wenn er meist zwei doorways bevorzugt – je nach seiner stimmung kann auch mal ein ganz anderer zugang in frage kommen.

da es trotzdem nicht auszuschließen ist, dass die wahl des bibliothekars nicht den vorstellungen des leser entspricht, empfiehlt nancy, die auswahl als suggestion und nicht als recommendation zu verstehen. damit nimmt man sich erheblichen druck von den schultern und die angst, ein „falsches“ buch zu empfehlen. eine möglichkeit, seine auswahl dem leser zu präsentieren, könnte z.b. sein: „ich empfehle ihnen das buch xy (oder den autor xy), auf der grundlage dessen, was sie mir erzählt haben. sie könnten das buch mögen – oder auch nicht. sollten sie es nicht mögen, dann lassen sie es mich wissen.“

 

 The American Library, Mumbai: How do we attract more users into the library? Describe best-practices for readers advisory.Nancy Pearl: These are big questions. Readers Advisory (RA) is a dialogue between you and the library user who comes into the library looking for a good book to read.You begin the process of RA by listening to how a reader talks about a book, that is, what doorway he or she has entered the world of books through, and then try to match them up with another book just like it.

People need to believe that they can find themselves or a version of themselves on library shelves. More programs, book discussions, poetry readings, political discussions – all those can bring people into the library. If you need to know more, please invite me to Mumbai for a visit.  

auch hier kommen noch mal die doorways zur sprache. und es fasst in ganz knapper art und weise den readers advisory service zusammen.

 Laura2: Can you tell us a little about how you came to have an action figure modeled after you?Nancy Pearl: I was at a dinner party with the owner of a company in the US who makes a series of action figures, including Moses, Jesus, Freud, Einstein, Shakespeare. I told him that the people who perform miracles every day in people’s lives are librarians, and someone else said „oh, there should be a librarian action figure“, and someone else said, „Nancy should be the model.“ And the rest was history

diese geschichte hatte sie uns bereits am morgen erzählt – und musste sie natürlich auch abends noch mal wiederholen. hat beides mal für lachen gesorgt😉 – und wahrscheinlich auch dafür, dass die verkaufszahlen der action figure durch deutsche bibliothekarInnen noch mal steigen werden (zumindest werde ich dazu beitragen).

Frankfurt Bookfari: As a librarian, do you think the way readers use libraries has changed in the past decade or two? Does the Internet pose a „threat“ to libraries?Nancy Pearl: I think the Internet created a seachange in libraries, but that it doesn’t need to be seen as a threat. Libraries have always done other things than provide information access to folks, but we need to make clear – in our training and practice – that reader’s advisory and outreach and programming are also a huge part of what a library does. 

weiter oben wurde ja schon mal die frage nach dem threat durch digitalisierung gestellt. in dieser antwort finde ich v.a. den ersten satz zutreffend: das internet hat eine menge von veränderungen in bibliothekarischer arbeit bewirkt – und wird dies mit sicherheit auch künftig noch tun; aber es sollte eben auch „nur“ als eine veränderung angesehen werden, und nicht als threat.

 IRC ANTANANARIVO2: To Nancy I am Héfler a mere library patron in Antananarivo Madagascar:
How important is stability facing to the dynamism of technology and evolution, it seems technological development is unavoidable and library should be the cutting edge of that technological development.
Nancy Pearl: Libraries need to use technological development to do what they do better, rather than the opposite. Information is only part of the world of libraries; libraries are not part of the world of information. That’s a very important distinction and one we need to keep reminding outselves of. And there are no „mere“ patrons!  

hier bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich nancy richtig verstehe. ich stimme ihr zu, dass bibliotheken unbedingt neue technologien dazu nutzen sollten, das, was sie bereits tun, dadurch besser zu tun.

ich stimme ihr auch zu, dass information „only part of the world of libraries“ ist. wichtig sind eben auch die von ihr genannten dinge wie reader’s advisory, outreach und programming.

nur dem jetzt folgenden satz kann ich so nicht zustimmen: „libraries are not part of the world of information“. ich hatte beim ersten lesen des satzes das „not“ überlesen; dann wär’s für mich ok. beim zweiten lesen bin ich dann aber darüber gestolpert und würde nancy dazu gerne noch mal ansprechen, ob sie es wirklich so gemeint hat und wieso.

alle weiteren fragen + antworten kann man dann im transcript nachlesen.

aus der diskussion abends sind mir noch folgende topics im gedächtnis (auch hier wieder nur eine auswahl von dem, was ich am interessantesten fand):

          libraries are three-legged foot stools

nancy sieht bibliotheken als “three-legged foot stools”: die drei legs sind technology, reader’s advisory services und outreach and programming. wichtig für die stabilität eines three-legged foot stool ist, dass die three legs die gleiche länge haben müssen – sonst fällt der stuhl um bzw. würde nie stabil stehen bleiben.

sicherlich kann (und wird) es vorkommen, dass manche Bibliotheken auf ein „leg“ eine stärkere gewichtung legen als auf die anderen. ich denke, das ist fast unvermeidbar. aber die anderen beiden legs dürfen halt nicht fehlen oder total zu kurz kommen. die ausgewogenheit der legs ist wichtig!

           how can we provide reader’s advisory services when we don’t have any money for programming etc.?

als ganz einfache (und kostengünstige) möglichkeit schlägt sie einen book club oder eine buch-diskussion zur lunch time vor, an dem sowohl die mitarbeiter als auch die leser teilnehmen: jeder bringt ein buch mit, das ihn interessiert – und stellt es denn anderen vor bzw. erzählt, wieso es ihn interessiert.

dafür braucht man prinzipiell nur einen raum, mehr nicht. und flyer o.ä. lassen sich ja auch relativ einfach herstellen.

           what does nancy think about a comment feature, that some libraries add to their online catalogue to let their users recommend books to each other via the web?

diese frage hatte ich gestellt – und in nancys antwort wurde im prinzip ihre „three-legged foot stool”-theorie deutlich:

es ist eine gute möglichkeit, lesern auf der ebene des internet ein social gathering und networking zu vermitteln. aber (internet) technology ist halt auch nur ein „leg“, programming vor ort und outreach dürfen nicht vergessen werden.

alles in allem war der tag mit nancy pearl sehr interessant. die diskussion am abend dauerte 1 ½ stunden – und hätte locker noch eine weitere stunde weitergeführt werden können, wenn es nicht schon so spät gewesen wäre.

aber man kann ihre arbeit über ihre podcasts, bücher, internet-seite etc. jederzeit weiterverfolgen.

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